Das Beschaffen des Christbaumes war die Aufgabe meines Vaters. Mutter stürmte oft schon Anfang Dezember, ob Vater sich schon um einen Christbaum bemüht hätte. Seine Reaktion war jedes Jahr die gleiche «es wird sich schon etwas ergeben». Wir hatten keinen eigenen Wald und konnten nicht, wie es in den Filmen so schön gezeigt wird, durch den tiefen Schnee stapfen und dann einen wunderschön gewachsenen Baum absägen. Zudem war der Platz in unserer kleinen Stube beschränkt. Der Baum stand auf einem tischhohen Kästchen zwischen Vaters Lesestuhl und dem Sofa. Meistens in den letzten Tagen vor Weihnachten brachte Vater einen kleinen, eher verkrüppelten Baum nach Hause. Vater meinte nur, ein Geschenk kann man nicht ablehnen.
In den folgenden Tagen verschwand er öfters in den kalten Keller. Am Bäumchen musste Äste rausgesägt und an anderen Stellen eingesetzt werden, so dass der Baum halbwegs eine «Gattung» machte. Bereits im Primarschulalter übernahm ich das Schmücken des Baumes, meistens zusammen mit einer Schwester. Natürlich ging ein Streit voraus, einerseits weil ich das Schmücken übernehmen wollte, andererseits darum, welche Schwester helfen durfte. So war das eben noch.
Der 24. Dezember war oft spannungsgeladen. Wir Kinder natürlich «uuliidig». Das Wetter oft schlecht, kein Schnee, alle vier Kinder im kleinen Haus wo nur Küche und Stube geheizt werden konnten. Mutter gereizt, weil es noch so viel zu tun gab. Vater, im Wissen um die Stimmung zu Hause, beim Nachbarn am Arbeiten.
Das erste Weihnachtswunder waren die feinen Pastetli zum z’Nacht. Zum Glück führt Johanna diese Tradition weiter.
Das zweite Wunder war, dass wir es schafften, friedlich in der Stube vor dem schönsten Baum zu sitzen. Vater las die Weihnachtsgeschichte, nur die kurze Version. Weihnachtslieder singen konnten wir. Jedes Jahr waren wir mit der Schule am letzten Schultag vor Weihnachten als Sternsinger unterwegs.
Mein Höhepunkt war das Geschenk vom Götti. Jedes Jahr erhielte ich einen weiteren Metallbaukasten von Meccano. Weihnachten ohne Schnee waren nur halb so schlimm, mit dem neuen Teilen war ich voll beschäftigt.
Anmerkung: Der verstorbene Mann meiner Bekannten in der Göscheneralp brachte jeweils auch ein krummgewachsenes Bäumlein nach Hause. Sein Gedanke, so dürfe es wenigstens Weihnachtsbäumlein sein, wenn es sonst keine Chance hatte. Dieser Gedanke gefällt mir.

Pastetli gehören zum Heiligen Abend