

Hinter dem Dorf Göschenen führt eine Bergstrasse zum Stausee auf der Göscheneralp. Dieser wurde ab 1952 errichtet, nach dem eine Lawine das Dorf hinten im Tal weitgehend zerstört hatte. Die schlechte Finanzielle Lage des Dorfes hat es begünstigt, dass mit dem Bau der Staumauer sehr schnell begonnen werden konnte. Einige Familien siedelten sich im Weiler Gwüest unterhalb des Stausees an. Darunter auch Söhne der Familie Mattli.
Auf einer Biketour in die Göschneralp habe ich eine Frau kennengelernt, die einen Mattli geheiratet hat und die ganzjährig im Gwüest lebt. Ende September wird der Postautobetrieb ins Tal eingestellt. Mit dem ersten grösseren Schneefall wird die Strasse, die im Besitz der Kraftwerke ist, gesperrt. So lange noch keine Lawinengefahr besteht, wird sie geräumt. Die Einheimischen können die Sperre öffnen und fahren auf eigene Verantwortung. Nach dem ersten grossen Schneefall wird der Verkehr eingestellt. In einem normalen Winter bleibt die Strasse mind. 5 Monate geschlossen. Wenn genügend Schnee liegt, ist auf der weniger Lawinen gefährdeten Seite eine Zufahrt mit Überschneefahrzeugen möglich. Meine Bekannte stellt sich darauf ein, dass sie den Winter im Gwüest verbringen wird und legt sich einen entsprechenden Vorrat an Grundnahrungsmitteln an. Ihr Sohn arbeitet auswärts, wohnt aber in Göschenen, wenn es die Verhältnisse erlauben kommt er am Wochenende nach Hause und bringt an Frischprodukten was notwendig ist.
Die andere Herausforderung ist das Alleinsein. Aktuell wohnen noch 10 Menschen im Gwuest. Drei Verwandte meiner Bekannten sind im Herbst ins Tal gezogen. Es gibt immer wieder Tage, da hat sie keinen Kontakt zu anderen Menschen. Zum Glück kann sie mit dieser Situation gut umgehen. Ihr Hund leistet ihr Gesellschaft, die Vögel und Eichhörnchen am Futterhaus sorgen für Abwechslung. Das Haus heizt sie mit Holz. Im Winter kocht sie auf dem Holzherd, so ist es in der Küche immer «hübsch» warm. Kommt dazu, dass der Weiler Gwüest drei Monate im Schatten liegt. Wenn sich die Sonne Anfang Februar wieder zeigt wird sie mit einem Glas Wein begrüsst. Dank dem Schnee ist es draussen trotzdem hell. Als kleiner Trost, hat sie von der Stube aus einen wunderbaren Blick auf den sonnenbeschienen Dammastock. Meine Bekannte pflegt einen grösseren Bekanntenkreis und fühlt sich nicht einsam. Wichtige Voraussetzung um die lange Winterzeit positiv zu erleben. Wie manchen Winter sie noch im Gwüest bleiben wird sie selber noch nicht.
Unter www.galp-projekt.ch wird ein Buch zur alten Göschneralp vorgestellt.